Wenn Wände verputzt sind, ist schwer zu erkennen, was umgebaut wurde. Erst nach dem Entfernen des Putzes werden sämtliche baulichen Veränderungen sichtbar. Nachdem wir den Putz im Dachgeschoss entfernt hatten, kamen Umbauten dieses Geschosses und des Treppenhauses zum Vorschein. Durch diese Veränderungen wurde die Eigenständigkeit des Treppenhauses beeinträchtigt. Es ist anzunehmen, dass diese Umbauten in den 1920–30er Jahren durchgeführt wurden, als das Haus einen neuen Eigentümer – Otto Schneeweiß – erhielt.
Zeitung mit Familiengeschichte
«Liebe Karin, Dein Gurkensalat ist im Kühlschrank. Gib doch bitte die Scheine ab. Ein Polizist war da; wollte zum Klaus. Kommt Sonnabend früh wieder. Pippi hat sehr gut gegessen. Mutti»
Eine Zeitung mit dieser Randnotitz wurde in einer Türöffnung gefunden. Dies ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein so nützlicher Gegenstand wie eine Zeitung in kurzer Zeit vom Lesestoff zur Notizunterlage, anschließend zum Baumaterial und schließlich zu einer wertvollen Erinnerung werden kann. Die folgende Geschichte ist ein direkter Beweis dafür. Einige Jahre nach dem Fund erhielten wir einen Brief von einem ehemaligen Bewohner dieses Hauses. Er beschrieb, in welcher Wohnung er gelebt hatte. Wir vermuteten, dass dieser Eintrag etwas mit ihm zu tun haben könnte, und schickten ihm ein Foto dieser Notiz. Zu unserer großen Freude bestätigte sich unsere Vermutung: Die Person hatte tatsächlich eine direkte Verbindung dazu – alle in der Notiz erwähnten Personen gehörten zu seiner Familie.
>Brandschutz des Treppenhauses
Das Treppenhaus ist ein sehr wichtiger Bestandteil eines mehrgeschossigen Hauses. Laut Bauvorschriften muss das Treppenhaus durch eine brandschutzsichere Wand abgeschirmt sein, und ein Lüftungsfenster muss sich am höchsten Punkt des Treppenraums befinden.
Technische Zulassung des Hauses
Dieser Umbau des Treppenhauses verletzte die Brandschutzanforderungen. Das bedeutet, dass das Haus seit etwa 100 Jahren faktisch ohne gültige technische Zulassung existiert, obwohl es bis 2002 als Wohnhaus genutzt wurde.
Dachgeschoss vor 1900
План крышного этажа дома Дителя
Ursprünglich begann der Treppenhausblock im ersten Stock mit einer massiven, 28 cm starken gemauerten Brandwand. Die übrigen Innenwände waren in Fachwerkbauweise ausgeführt. Die Toilette im Dachgeschoss war durch eine Holzwand abgetrennt.
Im Dachgeschoss gab es nur zwei Fenster (Gauben) im südöstlichen Turmzimmer. Im übrigen Bereich entlang des Dachrandes befanden sich kleine Dachfenster. Zur besseren Verständlichkeit habe ich die Dachneigung im Grundriss nicht dargestellt.
Umbau des Dachgeschosses in den 1920–30er Jahren
Grundriss des Dachgeschosses 1930–1970 des Hauses Dietel
Im Landesarchiv befindet sich eine Fotografie aus dem frühen 20. Jahrhundert, auf der zu erkennen ist, dass sich an der Westwand des Gebäudes nur zwei Dachfenster befanden. Vermutlich wurde in den 1920–30er Jahren im oberen Teil des Treppenhauses ein Zimmer eingerichtet. Dabei entfernte man das Geländer und verlängerte die oberste Treppenplattform, sodass sie zum Fußboden wurde. Die 28 cm starke Brandwand wurde entfernt. Etwa 50 cm versetzt und mit einer geringeren Treppenbreite wurde eine neue Wand errichtet, nur 15 cm stark und teilweise in Fachwerkbauweise. Außerdem wurden zwei Fenster in die Westwand eingebrochen.
Umbau des Dachgeschosses in den 1960er Jahren
Grundriss des Dachgeschosses 1970–2019 des Hauses Dietel
Während der DDR-Zeit wurde das Dachgeschoss in zwei Wohnungen aufgeteilt. Zwischen den bereits vorhandenen zwei Fenstern wurde ein weiteres Fenster eingebrochen. Der Flur wurde durch eine Wand abgetrennt. Außerdem wurde eine Wand in der Nähe des Schornsteins versetzt. Die neuen Wände wurden aus Ziegeln gebaut und nicht mehr in Fachwerkbauweise. Die Tür zum Treppenhaus wurde mit Kragisplatten verschlossen und eine neue Öffnung geschaffen. Viele der Zimmertüren wurden durch Schiebetüren ersetzt.
Außerdem wurden drei dreiflügelige Dachgauben eingebaut. Diese sind im Grundriss nicht dargestellt.
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Alexander Babel ist ein Autodidakt als Konstrukteur, Ingenieur, Feinmechaniker, Werkzeugmacher, Uhrmacher und Goldschmied.